Zum Selbermachen
Retrospektive draußen:
fünf Formate.
So verlegt Ihr Eure nächste Retrospektive nach draußen – ohne Beamer, ohne Whiteboard, mit dem, was Ihr habt.
Warum überhaupt draußen?
Nebeneinander redet es sich anders als gegenüber.
Nach dem zehnten Sprint kennt jeder den Ablauf: derselbe Raum, dieselben drei Spalten, dieselben Stimmen. Die Retrospektive wird zur Pflichtübung.
Draußen fehlt der Bildschirm zwischen Euch. Wer geht, schaut nach vorn statt in Gesichter – das macht es leichter, Schwieriges anzusprechen. Und wer zu zweit geht, kommt zu Wort, auch wenn er in der Runde meist schweigt.
Fünf Dinge zur Vorbereitung
- Eine Runde, die alle kennen. Start und Ziel stehen fest, niemand muss navigieren. Zwei bis vier Kilometer reichen.
- Ruhige Wege. Keine Straße, an der man sich anschreien muss. Park, Feldweg, Waldrand.
- Kleine Gruppen. Zu zweit oder zu dritt gehen, sonst hört die Hälfte nichts. Unterwegs einmal wechseln.
- Etwas zum Schreiben. Karten und Stift für jeden – was nicht notiert ist, ist am Ziel vergessen.
- Ein fester Schluss. Am Ende zehn Minuten im Stehen oder am Tisch: Was nehmen wir mit, wer macht was?
Fünf Wege, eine Retrospektive zu gehen
Jedes Format steht für sich. Für den Anfang genügt eines.
1 · Walking Reflection – erst gehen, dann sprechen
So geht es: Ihr stellt eine einzige Frage, zum Beispiel „Was hat uns in diesem Sprint am meisten gebremst?“. Jeder geht zehn Minuten allein oder zu zweit damit los. Erst danach kommt die Gruppe zusammen und teilt, was aufgetaucht ist.
Dauer: 30–45 Minuten. Gut für: persönliche Rückblicke, schwierige Fragen, Teams, in denen wenige viel reden.
2 · Der stille Abschnitt – erst selbst denken
So geht es: Ein Stück Weg ohne Gespräch und ohne Smartphone. Jeder notiert seine Gedanken für sich. Erst am Ende des Abschnitts wird gelesen und verglichen.
Dauer: 15–20 Minuten Stille, 20 Minuten Austausch. Gut für: ehrliche Rückmeldungen, unterschiedliche Meinungen, dominante Gesprächsdynamiken.
3 · Timeline Walk – den Sprint abgehen
So geht es: Der Weg ist die Zeitachse. Am Start steht der erste Tag des Sprints oder Projekts, am Ziel heute. An jeder Bank, Kreuzung oder Brücke haltet Ihr an: Was ist hier passiert? Was war der Wendepunkt?
Dauer: 45–60 Minuten. Gut für: Projekt-Retrospektiven, Release-Rückblicke, Lessons Learned.
4 · Die Weggabelung – Entscheidungen sichtbar machen
So geht es: An einer echten Abzweigung bleibt Ihr stehen. Jeder Weg steht für eine Option. Ihr besprecht Risiken und Folgen – und geht dann gemeinsam den Weg, für den Ihr Euch entscheidet.
Dauer: 20–30 Minuten. Gut für: Priorisierung, Architekturentscheidungen, „Was lassen wir weg?“.
5 · Der nächste Schritt – am Ziel verbindlich werden
So geht es: Am Ende der Runde nennt jeder einen eigenen, konkreten Beitrag: Was mache ich bis wann anders? Einer schreibt mit. Ohne diesen Schluss war es ein Spaziergang.
Dauer: 10–15 Minuten. Gut für: jede Retrospektive – als fester Abschluss.
Was draußen nicht funktioniert
- Technische Details, für die man Code oder Diagramme sehen muss.
- Vertrauliches, das niemand am Nachbartisch im Café hören soll.
- Alles, was sauber dokumentiert werden muss – das gehört danach an einen Tisch.
- Die Erwartung, dass die Landschaft antwortet. Ein Anstieg ist ein Anstieg; die Verbindung zum Projekt stellt die Frage her.
Wann jemand von außen hilft
- Wenn der Scrum Master selbst Teil des Themas ist und nicht gleichzeitig moderieren kann.
- Wenn dieselben Punkte seit Monaten auf der Liste stehen.
- Wenn ein Projekt schiefgegangen ist und es um mehr geht als um den letzten Sprint.
- Wenn es einen Konflikt gibt. Ein Spaziergang löst ihn nicht – dafür braucht es Schutzraum und Erfahrung.
Dafür gibt es unsere moderierten Retrospektiven im Südschwarzwald: vorbereitet, mit Trail und Seminarraum, und mit einem Maßnahmenplan am Ende.
Retrospektive draußen
Was ist eine Walking Retrospective?
Eine Retrospektive, die im Gehen stattfindet statt im Besprechungsraum. Das Team bearbeitet dieselben Fragen wie sonst – was lief gut, was hat gebremst, was ändern wir –, meist in wechselnden Zweier- oder Dreiergruppen und mit einer gemeinsamen Auswertung am Ende.
Wie lange dauert eine Retrospektive draußen?
Für ein einzelnes Format reichen 30 bis 60 Minuten. Mit Auswertung und nächsten Schritten solltet Ihr anderthalb Stunden einplanen – so lang wie eine gewöhnliche Retrospektive.
Wie viele Personen können mitgehen?
Am besten funktioniert es mit vier bis zehn Personen. Gegangen wird zu zweit oder zu dritt; die ganze Gruppe trifft sich an festen Punkten und am Ziel.
Wie halten wir Ergebnisse fest?
Mit Karten und Stift unterwegs und einem festen Abschluss am Ziel: Jeder nennt seinen wichtigsten Punkt, einer schreibt mit, und am Ende steht, wer was bis wann macht. Ein Foto der Karten genügt als Protokoll.
Und wenn es regnet?
Bei leichtem Regen geht es mit Jacke oft sogar besser – niemand bleibt länger stehen als nötig. Bei Dauerregen oder Gewitter verschiebt Ihr oder nehmt die Formate mit nach drinnen: Den stillen Abschnitt und den nächsten Schritt gibt es auch am Tisch.